Espresso-Talk mit Michael Littger: Digitale Souveränität in Europa

Am 23. Juli war CII-Strategy Director Dr. Michael Littger Gast im Podcast "Auf einen Espresso", moderiert von Dirk Arendt, Director Government, Public & Healthcare DACH von TrendAI. Das Thema des Gesprächs: "Digitale Souveränität in Europa – Vielfalt als Stärke".
Dr. Littger ordnete zunächst ein, wie unterschiedlich das Thema global verstanden wird: Während die USA digitale Souveränität kaum als eigenständigen Begriff kennen, sondern eher in Kategorien von technologischer Vormachtstellung denken, verfolgt China einen konsequenten Kurs aus Datenkontrolle und globaler Standardsetzung. Europa dagegen habe bislang weder das eine noch das andere und drohe stattdessen in eine Position der Abhängigkeit zu geraten, die Dr. Littger als "digitale Miete statt digitale Souveränität" beschreibt.
Ein zentraler Gedanke des Gesprächs: Europas Antwort kann nicht der Versuch sein, US-Hyperscaler zu kopieren, sondern liegt in der eigenen Stärke, nämlich der Vielfalt. Viele gute europäische Unternehmen könnten nur dann zu einem echten Ökosystem zusammenwachsen, wenn sie sich über gemeinsame Standards und Schnittstellen verständigen. Genau hier sieht Dr. Littger eine der größten Schwachstellen: Europa sei in internationalen Standardisierungsgremien unterrepräsentiert, obwohl dort die technologischen Weichen von morgen gestellt werden.
Praktisch, so Littger, brauche es vor allem eines: eine neue "Beschaffungskompetenz" in Unternehmen und Verwaltung: Einkauf nicht als Nebensache, sondern als strategischer Governance-Prozess, der digitale Souveränität aktiv mitdenkt. Deutlich äußerte er sich auch zur Debatte um die Deutsche Verwaltungscloud: Dass die Handlungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung von einer einzelnen ausländischen Softwarelizenz abhängen könne, sei eine Option, die endgültig vom Tisch müsse.
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