18. Juni 2026

Digitale Souveränität an Hochschulen: zwischen Rechtsrahmen und Realität

Hochschulen sind datenintensiv, offen vernetzt und zunehmend im Visier – doch wie digital souverän sind sie wirklich? Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker hat bei der Fachtagung der Universität Duisburg-Essen eingeordnet, wo die zentralen Risiken liegen und wie jetzt gehandelt werden muss.

Am 18. Juni 2026 fand an der Universität Duisburg-Essen die Fachtagung „Digitale Souveränität an Hochschulen – Handlungsoptionen für NRW" statt. CII-Research Director Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker hielt einen Impulsvortrag, der die rechtlichen Rahmenbedingungen mit einer klaren strategischen Perspektive verknüpfte.

Hochschulen, so Prof. Kipker, sind keine gewöhnlichen Organisationen. Sie arbeiten datenintensiv, sind vielfältig vernetzt und institutionell offen – mit besonders schutzbedürftigen personenbezogenen Daten in Forschung, Lehre und Verwaltung. Genau das macht sie zu einem sensiblen Ziel. Die zentralen Risiken liegen im Lock-In-Effekt durch Abhängigkeit von internationalen Cloud-Anbietern, im Kontrollverlust über Forschungs- und Personaldaten, in erhöhten Cyberrisiken durch schwer kontrollierbare externe Schnittstellen sowie in wachsenden rechtlichen Unsicherheiten rund um Datenschutz und Drittlandtransfer.

Besonders relevant ist Prof. Kipkers Einschätzung zur Rechtslage: Auch wenn Hochschulen formal nicht verpflichtet sind, EU-ansässige Anbieter zu wählen, wirken datenschutz-, sicherheits- und vergaberechtliche Vorgaben auf EU-, Bundes- und Landesebene faktisch einschränkend auf ihre Entscheidungsfreiheit. Digitale Souveränität ist damit kein politisches Wunschziel, sondern eine mittelbar rechtlich gebotene Notwendigkeit.

Als konkrete Handlungsempfehlungen plädiert Prof. Kipker deshalb für souveränitätsstärkende Beschaffungsstrategien, hochschulübergreifende Kooperationen sowie den verstärkten Einsatz von Open-Source-Software.

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