Trump als Brandbeschleuniger? Warum Europas digitale Souveränität jetzt entschieden werden muss

In seiner Keynote zeichnete CII-Research Director Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker ein alarmierendes Bild: Europa befindet sich in einer digitalen Sackgasse. Gescheiterte Datenschutzabkommen wie Safe Harbor oder Privacy Shield haben gezeigt, dass rechtliche Konstrukte allein keine Souveränität sichern können solange die digitale Infrastruktur in amerikanischer Hand bleibt.
Die Cloudifizierung, also die schleichende Verlagerung ganzer Infrastrukturen in amerikanische Rechenzentren, hat Europa in eine strukturelle digitale Abhängigkeit geführt, für die es bislang keine glaubwürdige Lösung gibt. Die geopolitische Zuspitzung durch US-Präsident Donald Trump identifiziert Prof. Kipker dabei nicht als Ursache, sondern als Brandbeschleuniger für bereits bestehende Souveränitätsdefizite innerhalb der EU. Zudem werden digitale Lieferketten durch KI-Komponenten täglich komplexer und undurchsichtiger.
Daher lautet Prof. Kipkers zentrales Argument: Es geht längst nicht mehr nur um Datenschutz. Die entscheidende Frage ist, ob Europa seine eigene digitale Infrastruktur noch kontrolliert und ob sie im Ernstfall überhaupt verfügbar bleibt. Als konstruktiven Ausweg dafür stellt er die European Value Creation Alliance Cybersecurity & Resilience (EUCRA) des CIIs vor. EUCRA ist eine EU-Wertschöpfungsallianz, die digitale Souveränität von der abstrakten Debatte in konkrete IT-Beschaffungsprozesse überführt. Konkret geht es dabei um ein in eine europäische Governance eingebettetes KI-gestütztes und nach Souveränitätsreifgrad kuratiertes Register, das Europa den Weg in ein neues Zeitalter echter digitaler Selbstbestimmung ebnen soll. Digitale Souveränität wird somit von einer abstrakten politischen Debatte in die konkrete Umsetzung durch Integration in bestehende IT-Beschaffungsprozesse gebracht.





